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Herbert Kickl ist einer der prägendsten und zugleich umstrittensten Politiker Österreichs. Der langjährige Chefstratege der Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ), Ex-Innenminister und heutige Parteichef steht wie kaum ein anderer für einen harten Kurs in Migrations-, Sicherheits- und Corona-Politik. Er wird von zahlreichen Beobachtern als rechtsextremer Politiker am äußersten rechten Rand des Parteiensystems eingeordnet.
Biografie – vom Arbeiterkind zum Parteichef
Herbert Kickl wurde am 19. Oktober 1968 im kärntnerischen Villach geboren und wuchs in Radenthein in einer Werksarbeitersiedlung auf. Seine Eltern arbeiteten in den örtlichen Magnesitwerken, er selbst besuchte Volksschule und Gymnasium in Kärnten und maturierte in Spittal an der Drau.
Nach der Matura leistete Kickl ( ein Bericht der Tagesschau zu aktuellen Fakten & Hintergründen ) seinen Wehrdienst bei den Gebirgsjägern, anschließend begann er in Wien Publizistik, Politikwissenschaft, später auch Philosophie und Geschichte zu studieren. Keines dieser Studien schloss er ab, stattdessen ging er voll in die Parteiarbeit. Mitte der 1990er Jahre stieg er in der FPÖ-Parteiakademie auf, arbeitete an Wahlkampfinhalten und wurde bald einer der wichtigsten Strategen im Hintergrund. Als Redenschreiber von Jörg Haider war er an pointierten und vielfach kritisierten Wahlkampfslogans beteiligt, etwa an Sprüchen mit stark migrationskritischem Unterton.
2005 wurde Kickl FPÖ-Generalsekretär, koordinierte seither nahezu alle bundesweiten Wahlkampagnen der Partei. Spätestens mit seinem Einzug in den Nationalrat im Jahr 2006 wurde er auch außerhalb der Partei bekannter.
Seinen vorläufigen Machtzenit erreichte Kickl als Innenminister in der türkis-blauen Bundesregierung Kurz I von Dezember 2017 bis Mai 2019. In dieser Zeit setzte er auf einen harten Kurs in Asyl- und Innenpolitik, baute Polizei-Einheiten aus und trieb Projekte wie Grenzschutz-Einheiten voran. Nach der Ibiza-Affäre und dem Ende der Koalition wurde er auf Vorschlag von Bundeskanzler Sebastian Kurz als Innenminister entlassen. Kickl ist der erste Minister der Zweiten Republik, der auf diesem Weg aus dem Amt scheidet.
Politisch fiel Kickl weich. Seit 2019 ist er wieder Nationalratsabgeordneter, Klubobmann des FPÖ-Parlamentsklubs und seit Juni 2021 Bundesparteiobmann der FPÖ. Bei der Nationalratswahl 2024 führte er die Partei erstmals in der Zweiten Republik zur stärksten Kraft. Koalitionsverhandlungen mit der Österreichische Volkspartei (ÖVP) scheiterten Anfang 2025.
Privat lebt Kickl in Purkersdorf bei Wien, ist verheiratet und Vater eines Sohnes. In Porträts wird er als sportaffiner Extremsportler beschrieben, der an anspruchsvollen Triathlonbewerben wie dem Celtman Xtreme Triathlon in Schottland teilgenommen hat.
Vermögen und Einkommen – was ist bekannt?
Offizielle, detaillierte Angaben zum Vermögen Herbert Kickls gibt es nicht. Weder das österreichische Parlament noch er selbst veröffentlichen ein Vermögensregister mit Summen oder Kontoständen. Was bekannt ist, betrifft vor allem laufende Einkünfte und Einkommenskategorien.
Das österreichische Parlament veröffentlicht gemäß Unvereinbarkeits- und Transparenzgesetz Einkommenskategorien der Abgeordneten sowie Nebentätigkeiten. Für Herbert Kickl sind dort Tätigkeiten und Einkommenskategorien ausgewiesen; exakte Beträge werden in diesen Dokumenten aber nicht genannt. Die Höhe seines aktuellen Klubobmann-Gehalts wird in Medienberichten beziffert. Ein Bericht über Kickls Rolle als „Gagenkaiser“ nennt für den FPÖ-Klubobmann 16.211 Euro brutto pro Monat, finanziert aus öffentlichen Mitteln.
Zusätzlich sorgten Nebeneinkünfte Kickls immer wieder für Diskussionen. So berichteten mehrere Medien unter Berufung auf frühere Nebeneinkunftsliste und Parteidokumente, dass er in den 2010er-Jahren gleichzeitig als Abgeordneter, FPÖ-Generalsekretär und Berater der FPÖ Wien tätig war und damit zeitweise auf rund 20.000 bis 24.000 Euro brutto monatlich kam. Von diesen bekannten Einkommen auf ein konkretes Privatvermögen zu schließen, wäre Spekulation. Seriöse Schätzungen dazu liegen öffentlich nicht vor. Einschlägige Websites mit exakten Beträgen arbeiten meist ohne nachvollziehbare Quellen. Als langjähriger Spitzenpolitiker mit mehreren gut bezahlten Funktionen über Jahre hinweg gehört Kickl zur Einkommensspitze im österreichischen Parlament – Politiker Jobs zählen auch in Österreich zu den gut bezahlten Berufen.
Rolle in Partei und System
Innerhalb der FPÖ gilt Herbert Kickl als zentraler Ideengeber und Stratege. Über Jahre war er Generalsekretär, Wahlkampfleiter und Redenschreiber, bevor er sich an die Parteispitze vorarbeitete. Seit 2021 ist er Bundesparteiobmann und prägt das Profil der FPÖ stärker als jeder andere.
Mit dem Wahlsieg 2024 positionierte sich Kickl offen als Kanzleranwärter, teils mit dem Begriff „Volkskanzler“. In der Wahlkampagne setzte die FPÖ auf Slogans wie „Festung Österreich – Grenzen schließen – Sicherheit garantieren“, womit Kickl die Partei als radikal oppositionelle Kraft gegen Migration, Systemparteien und EU-Eliten inszenierte.
Ideologische Ausrichtung
In wissenschaftlichen Analysen und großen Medien wird Kickl übereinstimmend als rechtsextremer Politiker eingeordnet, der sich am äußersten rechten Rand des politischen Spektrums bewegt. Seine Rhetorik greift dabei wiederholt Begriffe und Codes auf, die mit NS-Sprache und rechtsextremen Milieus assoziiert werden.
Zentral ist seine harte Linie in Migrationsfragen eine klare Trennung von Asyl und Einwanderung, eine möglichst restriktive Asylpraxis, Grenzschutz und ein Sicherheitsdiskurs, der stark auf Kriminalität durch Migranten fokussiert. Schon als Innenminister setzte er auf den Ausbau von Polizei-Einheiten und eine Verschärfung von Asylverfahren.
Außenpolitisch unterstützt Kickl die traditionellen engen Verbindungen der FPÖ zu Russland und Präsident Wladimir Putin. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine sprach er sich gegen ein Ölembargo und gegen die Lieferung schwerer Waffen aus und betonte die österreichische Neutralität. Kritische Einschätzungen des Angriffskriegs nannte er gefährliche Eskalationsrhetorik und Kriegstreiberei.
In der Corona-Pandemie profilierte sich Kickl als einer der lautesten Gegner von Lockdowns, Maskenpflicht und Impfkampagnen. Er sprach von „Freiheitsbeschränkungen“, prangerte eine „gleichgeschaltete“ Gesundheitspolitik an und empfahl zeitweise das Entwurmungsmittel Ivermectin gegen Covid-19 entgegen den Warnungen von Gesundheitsbehörden.
In seiner Kommunikation betont Kickl immer wieder, er wolle Politik für Menschen machen, die sich von Systemparteien und Eliten nicht vertreten fühlen. Kritiker halten ihm vor, gesellschaftliche Spaltungen bewusst zu vertiefen und demokratische Institutionen zu delegitimieren.
Bekannte Aussagen und Zitate – warum Kickl polarisiert
Kickl ist ein Politiker, der stark über Sprache wirkt. Einige seiner Aussagen sorgten für internationale Schlagzeilen. Im Folgenden eine Auswahl der Zitate und Aussagen von Herbert Kickl – Politiker der FPÖ in Österreich.
1. „Asylwerber konzentriert an einem Ort halten“ (Jänner 2018)
Kurz nach seinem Amtsantritt als Innenminister sprach Kickl in einer Pressekonferenz davon, Asylwerber „konzentriert an einem Ort halten“ zu wollen. Die Wortwahl löste starke Kritik aus, weil sie an NS-Terminologie erinnert. Kickl wies eine bewusste Anspielung zurück, sprach von einem Missverständnis, die Formulierung wurde allerdings international aufgegriffen, unter anderem von BBC und großen deutschen Medien.
2. „Das Recht hat der Politik zu folgen“ (Jänner 2019)
In der ORF-Sendung „Report“ erklärte Kickl 2019, für ihn gelte der Grundsatz, „dass das Recht der Politik zu folgen hat und nicht die Politik dem Recht“. Juristen, der Bundespräsident Alexander Van der Bellen und internationale Beobachter warnten daraufhin vor einem Angriff auf den Rechtsstaat. Medien und Kommentatoren zogen Vergleiche zum Staatsrechtler Carl Schmitt, der den NS-Staat juristisch zu legitimieren versuchte.
3. „Corona-Stahlhelme“ und „Gesundheitsapartheid“ (2021)
Bei Kundgebungen gegen Corona-Maßnahmen sagte Kickl „ich sehe keinen einzigen Alu-Hut, von dem die immer daherfaseln, die Träger der Corona-Stahlhelme in den Regierungsbüros“ und bezeichnete die Situation in Israel in Bezug auf Impfpolitik als „Gesundheitsapartheid“. Kritiker sahen darin eine Relativierung historischer Verbrechen und den bewussten Einsatz von Begriffen, die in antisemitischen Kontexten verwendet werden. Vertreter der Israelitischen Kultusgemeinde warfen ihm die Nutzung „antisemitischer Codes“ vor.
4. „Mumie in der Hofburg“ und „linke Zecke“ (Politischer Aschermittwoch 2024, Mai 2025)
Beim Politischen Aschermittwoch 2024 bezeichnete Kickl Bundespräsident Van der Bellen als „Mumie in der Hofburg“ und meinte, „dass er ein bissl senil ist, haben wir vorher schon gewusst“. Später nannte er Bundeskanzler Karl Nehammer „die größte Plage der Nation“ und sprach über die Parteien ÖVP und Sozialdemokratische Partei Österreichs (SPÖ) als „Polit-Maden“. Den SPÖ-Vorsitzenden Andreas Babler titulierte er 2025 als „linke Zecke“. Solche Verbalinjurien werden selbst in einem rauen politischen Klima als Tabubruch wahrgenommen und von vielen Medien als Ausdruck einer bewussten Verrohungsstrategie gedeutet.
5. Nähe zu Identitären und AfD (2021–2025)
Kickl trat 2016 bei dem als rechtsextrem eingestuften Kongress „Verteidiger Europas“ auf und äußerte sich wiederholt positiv über die Identitäre Bewegung, die er 2021 als „interessantes und unterstützenswertes Projekt“ und als „NGO von rechts“ bezeichnete. Eine „rote Linie“ gegenüber dieser Gruppe sehe er nicht, solange ihr Projekt aus FPÖ-Sicht „in Ordnung“ sei.
Im Jänner 2025 beteiligte er sich per Videobotschaft an einer Wahlkampfveranstaltung der deutschen Partei Alternative für Deutschland (AfD), nannte sie „Partner“ der FPÖ und lobte die AfD-Vorsitzende Alice Weidel als „Kämpfernatur“. Kritiker sehen darin eine bewusste Vernetzung des äußersten rechten Spektrums in Europa.
6. Ukraine-Krieg und „Endsieg“-Rhetorik (März 2023)
Im Vorfeld einer im Parlament übertragenen Rede des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj warf Kickl den anderen Fraktionen vor, zu einer „gefährlichen und undifferenzierten Endsieg-Rhetorik“ übergegangen zu sein. Da der Begriff „Endsieg“ stark mit NS-Propaganda verbunden ist, wurde die Wortwahl scharf kritisiert, unter anderem vom ORF, der auf die historische Belastung dieses Begriffs hinwies.








