Haus kaufen ohne Erspartes?
Eine Baufinanzierung ohne Eigenkapital ist in Deutschland nicht ausgeschlossen, aber sie ist deutlich anspruchsvoller als eine klassische Immobilienfinanzierung. Banken prüfen sehr genau, ob Einkommen, Bonität, Objektwert und monatliche Belastung zusammenpassen. Besonders wichtig ist dabei eine Frage, die viele Käufer unterschätzen: Wer zahlt die Kaufnebenkosten?
Gerade beim Hauskauf wirken die großen Zahlen oft greifbarer als die Nebenkosten. Der Kaufpreis steht im Exposé, die Rate lässt sich online schnell berechnen und der Wunsch nach den eigenen vier Wänden ist groß. Doch ohne Rücklagen kann schon die Grunderwerbsteuer, der Notartermin oder eine notwendige Reparatur nach dem Einzug zum Problem werden.
Das Wichtigste in Kürze – Bonität und Einkommen
- Eine Baufinanzierung ohne Eigenkapital ist möglich, aber meist nur bei sehr guter Bonität, stabilem Einkommen und einer gut bewerteten Immobilie.
- Bei einer 100-Prozent-Finanzierung finanziert die Bank den Kaufpreis, nicht zwingend aber die Kaufnebenkosten.
- Bei einer 110-Prozent-Finanzierung werden zusätzlich auch Nebenkosten mitfinanziert. Das ist für Banken deutlich riskanter und deshalb seltener.
- Die Kaufnebenkosten liegen je nach Bundesland, Maklerprovision und Einzelfall oft bei rund 10 bis 15 Prozent des Kaufpreises.
- Banken können eine Finanzierung ablehnen, wenn Einkommen, Schufa, Haushaltsrechnung, Eigenkapital, Objektwert oder Beschäftigungssituation nicht überzeugen.
- Wer ohne Eigenkapital kaufen will, sollte vor der Immobiliensuche realistisch prüfen, wie viel Rate langfristig tragbar ist.
Was bedeutet Baufinanzierung ohne Eigenkapital?
Von einer Baufinanzierung ohne Eigenkapital spricht man, wenn Käufer kein oder kaum eigenes Geld in den Immobilienkauf einbringen. Gemeint ist damit aber nicht immer dasselbe. Manche meinen eine Finanzierung, bei der der Kaufpreis vollständig über ein Darlehen abgedeckt wird. Andere meinen eine Finanzierung, bei der auch Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch und Maklerkosten über Kredit bezahlt werden.
Dieser Unterschied ist entscheidend. Denn die Immobilie selbst dient der Bank als Sicherheit. Kaufnebenkosten dagegen schaffen keinen zusätzlichen Sachwert. Sie sind nach dem Kauf bezahlt und lassen sich bei einem späteren Verkauf nicht einfach zurückholen.
100-Prozent-Finanzierung oder 110-Prozent-Finanzierung?
| Finanzierungsform | Was bedeutet das? | Risiko |
| 100-Prozent-Finanzierung | Die Bank finanziert den Kaufpreis der Immobilie vollständig. | Höher als bei Finanzierung mit Eigenkapital, aber für Banken noch eher prüfbar. |
| 110-Prozent-Finanzierung | Die Bank finanziert den Kaufpreis plus Kaufnebenkosten. | Deutlich höher, weil der Kredit über dem reinen Objektwert liegen kann. |
| Finanzierung mit Eigenkapital | Käufer bringen eigenes Geld ein, meist mindestens für Nebenkosten. | Für Banken und Käufer meist stabiler, weil die Darlehenssumme niedriger ist. |
In der Praxis ist eine Finanzierung des Kaufpreises eher denkbar als eine vollständige Finanzierung inklusive Nebenkosten. Wer die Nebenkosten selbst zahlen kann, hat bei Banken meist deutlich bessere Chancen.
Wann Banken trotz fehlendem Eigenkapital zusagen
Eine Zusage hängt nicht nur davon ab, ob Eigenkapital vorhanden ist. Banken betrachten das Gesamtbild. Fehlt Eigenkapital, müssen andere Punkte besonders stark sein. Dazu gehören vor allem ein sicheres Einkommen, eine saubere Bonität, ein realistischer Kaufpreis und eine Immobilie, die als Sicherheit überzeugt.
Stabiles Einkommen ist der wichtigste Hebel
Wer ohne Eigenkapital finanzieren möchte, braucht in der Regel ein dauerhaft tragfähiges Einkommen. Besonders gut bewerten Banken meist unbefristete Arbeitsverhältnisse, verlässliche Einkünfte und eine niedrige sonstige Verschuldung. Bei Selbstständigen, befristeten Jobs oder stark schwankenden Einnahmen wird die Prüfung oft strenger.
Entscheidend ist nicht nur die aktuelle Rate. Die Bank will wissen, ob die monatliche Belastung auch dann noch tragbar bleibt, wenn Energie, Versicherungen, Instandhaltung, Familienausgaben oder berufliche Veränderungen dazukommen.
Die Haushaltsrechnung muss Luft lassen
Eine Baufinanzierung scheitert häufig nicht am Kaufpreis allein, sondern an der monatlichen Belastung. Banken rechnen Einnahmen und Ausgaben gegeneinander. Übrig bleiben muss genug Spielraum für Zins, Tilgung und laufende Kosten der Immobilie.
Als grobe Orientierung gilt: Wenn die Kreditrate sehr weit an die persönliche Belastungsgrenze reicht, wird eine Finanzierung ohne Eigenkapital riskant. Käufer sollten nicht nur fragen, ob die Bank finanziert, sondern ob die Rate auch in schwierigeren Monaten noch tragbar bleibt.
Der Objektwert muss zur Kreditsumme passen
Die Bank bewertet die Immobilie nicht zwingend nach dem Preis, den Käufer bezahlen möchten. Sie ermittelt einen Beleihungswert. Liegt der Kaufpreis deutlich über dem Wert, den die Bank als nachhaltig einschätzt, sinken die Chancen auf eine Zusage.
Das ist besonders wichtig bei stark nachgefragten Lagen, emotionalen Kaufentscheidungen oder Häusern mit Sanierungsbedarf. Wer ohne Eigenkapital kauft, hat weniger Puffer, wenn sich später herausstellt, dass das Objekt zu teuer war.
Welche Nebenkosten Käufer selbst zahlen müssen
Beim Hauskauf entstehen neben dem Kaufpreis mehrere Kostenblöcke. Einige davon sind praktisch unvermeidbar, andere hängen vom Kaufvertrag, vom Bundesland oder von der Vermittlung ab.
| Kostenart | Typische Höhe | Warum wichtig? |
| Grunderwerbsteuer | Je nach Bundesland 3,5 bis 6,5 Prozent des Kaufpreises | Eine der größten Nebenkosten beim Immobilienkauf. |
| Notar und Grundbuch | Häufig rund 1,5 bis 2 Prozent des Kaufpreises | Der Grundstückskauf muss notariell beurkundet werden. |
| Maklerprovision | Je nach Vertrag und Bundesland unterschiedlich | Kann mehrere Prozent des Kaufpreises ausmachen. |
| Umzug und Einrichtung | Sehr unterschiedlich | Wird oft unterschätzt, weil diese Kosten nicht im Kaufpreis stehen. |
| Renovierung und Sofortmaßnahmen | Objektabhängig | Gerade ältere Häuser brauchen oft direkt nach dem Kauf Geld. |
| Rücklage nach dem Kauf | Individuell, aber dringend sinnvoll | Schützt vor finanziellen Engpässen bei Reparaturen oder Einkommensausfällen. |
Viele Banken sehen es kritisch, wenn Käufer nicht einmal die Nebenkosten selbst zahlen können. Der Grund ist einfach: Für Nebenkosten steht kein zusätzlicher Immobilienwert gegenüber. Werden sie mitfinanziert, steigt das Risiko für die Bank und für die Käufer.
Rechenbeispiel: So viel Geld fehlt ohne Eigenkapital
Ein vereinfachtes Beispiel zeigt, warum eine Baufinanzierung ohne Eigenkapital schnell schwierig wird.
| Position | Beispielbetrag |
| Kaufpreis Haus | 400.000 Euro |
| Grunderwerbsteuer bei 6,5 Prozent | 26.000 Euro |
| Notar und Grundbuch bei rund 2 Prozent | 8.000 Euro |
| Maklerkosten Käuferanteil als Beispiel | 14.280 Euro |
| Gesamtkosten ohne Umzug und Renovierung | 448.280 Euro |
In diesem Beispiel reicht eine 100-Prozent-Finanzierung über 400.000 Euro nicht aus. Es fehlen bereits mehr als 48.000 Euro für Nebenkosten. Kommen Renovierung, neue Möbel, Umzug oder Modernisierung dazu, wächst der Finanzierungsbedarf weiter.
Genau hier liegt das Risiko der 110-Prozent-Finanzierung. Die Darlehenssumme steigt über den Kaufpreis hinaus. Gleichzeitig ist der Wiederverkaufswert der Immobilie nicht automatisch höher, nur weil Nebenkosten bezahlt wurden.
Warum Banken eine Baufinanzierung ablehnen können
Eine Ablehnung bedeutet nicht automatisch, dass ein Hauskauf grundsätzlich unmöglich ist. Sie zeigt aber, dass das konkrete Vorhaben aus Sicht der Bank nicht tragfähig genug erscheint. Häufige Gründe sind:
- Zu wenig Eigenkapital: Besonders kritisch wird es, wenn auch die Nebenkosten finanziert werden sollen.
- Zu hohe Monatsrate: Die Haushaltsrechnung lässt nach Abzug aller Ausgaben zu wenig Spielraum.
- Unsichere Beschäftigung: Befristete Arbeitsverträge, Probezeit oder schwankende Einnahmen können die Prüfung erschweren.
- Negative Bonitätsmerkmale: Offene Forderungen, häufige Rücklastschriften oder schlechte Schufa-Einträge können zur Ablehnung führen.
- Zu hoher Kaufpreis: Die Bank bewertet die Immobilie niedriger als den vereinbarten Preis.
- Sanierungsrisiko: Hohe Modernisierungskosten sind nicht ausreichend eingeplant.
- Zu geringe Tilgung: Wenn die Entschuldung zu langsam verläuft, steigt das Risiko bei späterer Anschlussfinanzierung.
- Unvollständige Unterlagen: Fehlende Gehaltsnachweise, Objektunterlagen oder Eigenkapitalnachweise verzögern oder gefährden die Prüfung.
Was Käufer vor der Finanzierungsanfrage vorbereiten sollten
Wer ohne Eigenkapital kaufen möchte, sollte besonders gut vorbereitet in die Finanzierung gehen. Eine unklare Anfrage mit geschätzten Zahlen wirkt schwach. Eine saubere Unterlagenmappe dagegen zeigt, dass Käufer ihr Vorhaben realistisch kalkuliert haben.
- Haushaltsrechnung erstellen: Alle regelmäßigen Einnahmen und Ausgaben ehrlich erfassen.
- Maximale Monatsrate berechnen: Nicht die Wunschrate, sondern die dauerhaft tragbare Rate zählt.
- Kaufnebenkosten getrennt ausweisen: Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch und Maklerkosten realistisch berechnen.
- Objektunterlagen sammeln: Exposé, Grundriss, Energieausweis, Wohnflächenberechnung, Baujahr, Modernisierungen und Grundbuchdaten vorbereiten.
- Sanierungskosten prüfen: Bei älteren Häusern nicht nur den Kaufpreis, sondern auch Dach, Heizung, Fenster, Elektrik und Feuchtigkeit beachten.
- Rücklage einplanen: Nach dem Kauf sollte nicht jeder Euro gebunden sein.
Wann ein Hauskauf ohne Eigenkapital sinnvoll sein kann
Eine Finanzierung ohne Eigenkapital kann funktionieren, wenn mehrere günstige Faktoren zusammenkommen. Dazu gehören ein überdurchschnittlich stabiles Einkommen, geringe sonstige Schulden, eine Immobilie zu einem nachvollziehbaren Preis und ein ausreichender monatlicher Puffer.
Auch Käufer, die zwar wenig frei verfügbares Geld haben, aber sehr gute Einkommensaussichten besitzen, können in Einzelfällen Chancen haben. Trotzdem bleibt wichtig: Ein Hauskauf ohne Eigenkapital ist keine Abkürzung, sondern eine höhere finanzielle Verpflichtung.
Wann Käufer lieber warten sollten
Warten kann sinnvoller sein als ein riskanter Kauf. Das gilt besonders, wenn die Nebenkosten nicht aus eigenen Mitteln bezahlt werden können, keine Rücklage vorhanden ist oder die Monatsrate nur knapp tragbar wäre.
Auch bei unsicheren Jobs, anstehenden Familienveränderungen oder unklaren Sanierungskosten ist Vorsicht angebracht. Wer ein Jahr länger spart, kann seine Finanzierung oft deutlich verbessern. Schon ein kleiner Eigenkapitalanteil kann helfen, die Darlehenssumme zu senken und die Bankprüfung zu erleichtern.
Welche Alternativen gibt es?
Kaufpreis senken
Die einfachste Stellschraube ist oft nicht die Bank, sondern der Kaufpreis. Ein günstigeres Objekt, eine kleinere Wohnfläche oder eine andere Lage können die Finanzierung deutlich realistischer machen.
Nebenkosten ansparen
Wer zumindest Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch und einen Teil der Maklerkosten selbst zahlen kann, verbessert seine Ausgangslage. Die Bank muss dann nicht Kosten finanzieren, denen kein zusätzlicher Objektwert gegenübersteht.
Sanierung realistisch trennen
Bei renovierungsbedürftigen Häusern sollte klar sein, welche Arbeiten sofort notwendig sind und welche später erfolgen können. Eine zu knapp geplante Sanierung kann die Finanzierung nach dem Kauf belasten.
Fördermöglichkeiten prüfen
Je nach Vorhaben können Förderprogramme, Familienförderungen oder energetische Programme eine Rolle spielen. Sie ersetzen aber meist kein Eigenkapital und sollten nicht schönrechnen, was monatlich nicht tragbar ist.
Fazit: Möglich, aber nicht für jeden sinnvoll
Eine Baufinanzierung ohne Eigenkapital kann klappen, wenn Bonität, Einkommen, Objektwert und Haushaltsrechnung überzeugen. Sie ist aber deutlich riskanter als eine Finanzierung mit eigenen Mitteln. Besonders die Kaufnebenkosten sind der kritische Punkt. Wer sie nicht selbst zahlen kann, braucht eine sehr starke finanzielle Ausgangslage.
Für Käufer ist deshalb die wichtigste Frage nicht nur: Bekomme ich den Kredit? Sondern: Kann ich die Immobilie auch dann noch sicher halten, wenn Reparaturen, höhere Lebenshaltungskosten oder berufliche Veränderungen dazukommen? Erst wenn diese Frage ehrlich beantwortet ist, wird aus dem Wunsch nach Eigentum ein tragfähiger Hauskauf.
FAQ
Ist eine Baufinanzierung ohne Eigenkapital möglich?
Ja, eine Baufinanzierung ohne Eigenkapital ist möglich, aber nicht selbstverständlich. Banken prüfen Einkommen, Ausgaben, Bonität, Objektwert und Rückzahlungsfähigkeit besonders genau. Je weniger Eigenkapital vorhanden ist, desto überzeugender müssen die übrigen Faktoren sein.
Muss ich die Kaufnebenkosten selbst zahlen?
In vielen Fällen erwarten Banken, dass Käufer zumindest die Kaufnebenkosten aus eigenen Mitteln zahlen. Dazu gehören Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch und gegebenenfalls Maklerkosten. Werden auch diese Kosten finanziert, spricht man häufig von einer 110-Prozent-Finanzierung.
Was ist der Unterschied zwischen 100-Prozent- und 110-Prozent-Finanzierung?
Bei einer 100-Prozent-Finanzierung wird der Kaufpreis vollständig über Kredit finanziert. Bei einer 110-Prozent-Finanzierung werden zusätzlich auch Kaufnebenkosten mitfinanziert. Für Banken ist die 110-Prozent-Finanzierung deutlich riskanter, weil die Darlehenssumme über dem reinen Objektwert liegen kann.
Warum lehnt die Bank eine Baufinanzierung ab?
Häufige Gründe sind zu wenig Eigenkapital, eine zu hohe Monatsrate, unsichere Einkünfte, negative Bonitätsmerkmale, ein zu hoch bewerteter Kaufpreis oder nicht ausreichend eingeplante Sanierungskosten. Auch unvollständige Unterlagen können die Prüfung erschweren.
Wie viel Eigenkapital ist beim Hauskauf sinnvoll?
Als solide Orientierung gelten häufig mindestens die Kaufnebenkosten. Noch stabiler ist eine Finanzierung, wenn zusätzlich ein Teil des Kaufpreises aus Eigenkapital bezahlt werden kann. Je höher der Eigenkapitalanteil, desto niedriger sind Darlehenssumme und Finanzierungsrisiko.
Was kann ich tun, wenn die Baufinanzierung abgelehnt wurde?
Nach einer Ablehnung sollten Käufer die Gründe prüfen, die Haushaltsrechnung überarbeiten, den Kaufpreis hinterfragen und fehlende Unterlagen ergänzen. Manchmal hilft ein günstigeres Objekt, mehr Eigenkapital oder ein späterer Kaufzeitpunkt. Wichtig ist, eine Ablehnung nicht durch riskante Zusatzkredite zu umgehen.
Quellen und weiterführende Informationen
- BaFin: Immobilienkredit auf einen Blick
- BaFin: Kreditwürdigkeitsprüfung bei Immobilienkrediten
- Verbraucherzentrale: Immobilienfinanzierung und Eigenkapital
- Verbraucherzentrale: Häufige Fragen zu Hauskauf und Hauskredit
- BGB § 505a: Pflicht zur Kreditwürdigkeitsprüfung
- BGB § 311b: Notarielle Beurkundung beim Grundstückskauf
- Grunderwerbsteuergesetz § 11
Hinweis: Dieser Beitrag bietet allgemeine Informationen und ersetzt keine individuelle Finanzierungs-, Rechts- oder Steuerberatung. Konditionen, Kreditentscheidungen und Nebenkosten hängen immer vom Einzelfall ab.








